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Die Südküste des Inselstaates Madagaskar ist ein trockenes Nichts aus Buschwerk. Sepp Riedel, eingeklemmt zwischen Kat-kauenden Bauern und Müttern mit stillenden Babys, saß in einem überfüllten Taxi Brousse auf dem Weg nach Süden – vorbei an grossen Flächen von verkrüppeltem Buschland, ausgedörrtem gelbem Gras, abgemagerten Zebus und schiefen strohgedeckten Hütten.

Plötzlich flackerte ein zehn Fuß hoher Vorhang aus orangefarbenem Feuer direkt neben dem Van. Dahinter loderten weitere kleine Grasfeuer. Das Land brannte. Es brannte seit hundert Jahren. Die einst dichten Lemurenwälder Madagaskars – eines der ärmsten Länder der Welt – wurden zur Holzkohlegewinnung abgeholzt und verbrannt. Der beißende Rauch verdunkelte den Himmel.

Die zweispurige „Nationalstraße“ N7, gesäumt von tiefen Gräben aus Kies und Schlamm, war übersät mit Schlaglöchern so groß wie Whirlpools. In tausend Kurven schlängelte sie sich durch die glühend heiße Landschaft.

Um seinen zunehmenden Brechreiz zu unterdrücken, wandte sich Riedel an den Fahrer:
„Wie lange noch bis Tulear?“
„Vier Stunden, M’sieur – wenn uns keine Dahalos stoppen.“

Na ja. Rinderdiebe, denkt Riedel. In Deutschland haben ihn letztes Jahr Scheidungsanwälte ausgeraubt – hier sind’s jetzt eben die Dahalos. Viel Geld hat er sowieso nicht dabei.

Seine Gedanken wanderten zurück zum Bewerbungsgespräch mit Tony Collier, dem smarten Gründer der NGO Coral Breeders, bei der er nun als Tauchlehrer arbeiten sollte.
„Riedel, you are the man. You can make much money down there. Don’t worry.“

Wie eine spendenbasierte NGO Profit machen sollte, war ihm schleierhaft. Aber Tony hatte ihn überzeugt – mit irgendwelchen Stories über TV-Auftritte seiner hübschen Assistentin Jessy. Riedel wusste sofort, dass Jessy nicht nur idealistische Spender überzeugen konnte – so, wie sie ihm den Kaffee serviert hatte. Weit nach vorn gebeugt, mit tiefem Ausschnitt, stellte sie die Tasse vor ihm ab.
„…ja, mit viel Milch bitte“, antwortete er verlegen.

„Jessy wird deine Kontaktperson sein. Fragen bitte per E-Mail an sie.“
Jessy nickte einladend und deutete auf den Vertrag, der vor Riedel lag. Irgendwie geistig abwesend unterschrieb er – ohne ihn zu lesen. Jetzt war er unterwegs zur NGO-Station in Ifaty.



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„Nichts ist vergleichbar mit der leuchtenden Farben- und Formenvielfalt der Unterwasserwelt von Korallenriffen. Etwa ein Viertel aller Meerestiere lebt in den Riffen – dem Kindergarten unzähliger Fischarten. Doch Klimawandel und Umweltverschmutzung stellen die Korallen vor nie dagewesene Herausforderungen.“

Jessy Nottingham lächelte charmant in die Kamera, während sie den Text flüssig vom Prompter ablas – auf Deutsch, mit nahezu perfektem Akzent. Selbstsicher und souverän trat sie in der TV-Sendung Brisant auf.

„Madagaskar besitzt das drittgrößte Barriereriff der Welt – vor Tulear im Südwesten. Doch skrupellose Zyanidfischerei, unterstützt von chinesischen Fischhändlern, die das Gift kostenlos lieferten, hat das Riff zerstört. Tot ist es – und mit ihm der Lebensunterhalt von über 10.000 Fischern. Zehntausende Menschen im trockenen Süden Madagaskars sind auf diese Nahrung angewiesen.“

Jessy betonte die Zahlen, um das Mitleid der Zuschauer zu wecken. Wer würde da nicht helfen wollen?

Tony beobachtete sie stolz aus dem Hintergrund. Sie war seine Trumpfkarte. Sie konnte das Kapital für Coral Breeders erbetteln – auf eine Weise, wie es nur attraktive Frauen können.

Jessy erklärte, dass ihre Organisation mit Hilfe von Meeresbiologen und Tauchern die Korallengärten wiederherstellen werde. Fischer sollten zu Tauchern ausgebildet werden, um selbst die Pflanzungen unter Wasser vorzunehmen. All das koste Geld – viel Geld. Und sie brachte es überzeugend rüber, wie ein Aalverkäufer auf dem Hamburger Fischmarkt die Frische seiner Ware herausbrüllt.

„Spenden Sie jetzt – und großzügig. Geben Sie den Fischern ihren Fisch zurück! Coral Breeders macht es möglich – mit Ihrer Hilfe. Die hungernde Bevölkerung im Süden Madagaskars wird es Ihnen lebenslang danken.“

Sie lächelte in die abblendende Kamera, dann trat sie langsam ab – zu dem wartenden Tony.
„Baby, you did great. We collected already 370,000 Euro – and more is coming. Come, let’s celebrate“, sagte er, griff ihr auf den Hintern und dirigierte sie aus dem Studio.



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Die Männer beugten sich über einen Tisch, der mit blauen Steinen übersät war. In der Ecke der Villa stand ein schmächtiger Junge, scheu und still – er hatte die heutige Ausbeute der Minenkinder aus Ilakaka gebracht.

Einige der Steine sahen eher aus wie rote Sandbrocken mit bläulichen Adern. Doch der Saphirhändler Subhas Kannanbira – von seinen Freunden einfach „Kannan“ genannt – erkannte auf einen Blick, aus welchen Brocken man leuchtende, wertvolle Saphire schleifen konnte und was bestenfalls auf den Müll gehörte. Er hielt jeden der Rohsaphire gegen eine Lampe und drehen ihn, um eventuelle Farbänderungen zu beobachten. Nachdem er die Steine aussortiert hat, griff er mit seiner dunklen, ledrigen Hand in die Hosentasche und zog ein dickes Bündel Ariary hervor. Er zählte wortlos mehrere 20.000er-Scheine ab – die größte Stückelung in Madagaskar – und hielt sie dem Jungen hin. Der schnappte gierig danach. Er wusste: Mit den Händlern – den sogenannten Karans – verhandelte man besser nicht. Sonst gab’s gar nichts. Oder Prügel. Die Karans bestimmten, was die illegalen Saphirdigger bekamen. Und wann.

Kannan packte sie in einen Lederbeutel, klemmte ihn sich unter den Arm und verließ mit zwei kräftigen malagassischen Bodyguards die Villa. Draußen wartete sein nagelneuer Toyota 4WD. Der Fahrer bog ohne Rücksicht auf den Verkehr auf die Hauptstraße ein.

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Die meisten Passagiere dösten vor sich hin, Man spürte die Vibrationen des Motors und das Schütteln des alten Minibusses auf der unebenen Straße durch Ilakaka.

Plötzlich, ohne Vorwarnung, schoss ein SUV von der Seite heran. Es gab keinen scharfen Knall oder langes Bremsen – nur ein kurzer, heftiger Aufprall.. Riedel wurde abrupt im Sitz nach rechts gerissen, auf seine dösende Nachbarin. Ein dumpfes Geräusch von berstendem Gummi und verdrehtem Metall kam vom linken Vorderreifen, gefolgt von einem zischenden Geräusch, als die Luft aus dem Reifen entwich.

Der Bus geriet ins Schlingern, der Fahrer kämpfte verzweifelt, das Fahrzeug auf Kurs zu halten. Panische Schreie erfüllten den Innenraum, als die Insassen aus dem Schlaf erwachten und erkannten, dass etwas Schlimmes passiert war.

Der SUV raste einfach weiter, die Rücklichter verschwanden schnell in der Ferne

Nachdem der Bus endlich zum Stehen gekommen war, schwankend und schief auf dem nun platten Vorderreifen, herrschte erst mal eine beklemmende Stille, nur unterbrochen vom Stöhnen der Passagiere die sich irgendwie verletzt hatten. Der Geruch von Gummi und Bremsstaub hing in der Luft. Jeder versuchte so schnell wie möglich aus dem Fahrzeug zu kommen. Panisches Gedränge. Es gab ja nur eine Tür.

Riedel sprach seine Nachbarin an und entschuldigte sich dass er so hart mit ihr zusammengestossen war. Sie verstand wening von seinem Französisch aber lächelte.

"Pas grave, m'sieur"

Er blieb erst mal sitzen. Seine Nachbarin schaffte es auch nicht aufzustehen da die Passagiere von hinten sich im Gang drängten. Sie waren die letzten die den Bus verliessen. Der Fahrer war mit dem demoliertem Reifen beschäftigt. Um den Bus herum hatte sich bereits das halbe Dorf versammelt. Aus dem Nichts tauchten Frauen auf mit gebratenen Bananen, fritierten Hünerteilen, Früchten, Wasser -- was halt ein Reisender so brauchen kann. Es war bereits dunkel. Die Strasse, obwohl mitten in der Ortschaft, war kaum beleuchtet. Riedel wandte sich an seine Sitznachbarin, die immer noch neben ihm stand:

"Wie lange wird wohl die Reparatur dauern"

"Der Fahrer meint wir können erst morgen weiterfahren"

"Na denn, gute Nacht. Gibt's hier ein Hotel?" und er schaute mit fragender Miene auf die Hütten entlang der Strasse. Er entdeckte eine Bretterbude mit Tischen und Stühlen - ein "hotely", wie die kleinen Garotten hier genannt wurden.

"Ich möchte was essen. Kommen sie mit" fragte er seine Begleitung.

Eine Gruppe neugieriger Kinder folgte ihnen. Ein Vahaza geht nicht jeden Tag hier in eine Gargotte. Sie setzten sich an einen der rohen Holztische.



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Das Hotel in Tulear war überraschend komfortabel. Die Morgensonne brannte in Riedels Zimmer. Er wachte schweißgebadet auf – hatte aber tief geschlafen, nach zwei Tagen Tortur im überfüllten 9-Sitzer-Taxi-Brousse: zwischen Menschen, Kotze, Fracht und Tieren.

Diese klapprigen Vans waren nun einmal das einzige Transportmittel über Land. Eine öffentliche Infrastruktur hatten die französischen Kolonialherren nie geschaffen – wozu auch? Die später „demokratisch“ gewählten Präsidenten der Republik reisten mit dem Privatflugzeug. Warum sich um Bahnen, Busse oder Straßen für das Volk kümmern?

Riedel zog sich ein frisches T-Shirt über und trat hinaus – direkt in das wilde Getümmel der Stadt. Straßenhändler priesen gebrauchte Kleidung, Wasserrohre, Kanister, Warzenmedizin aus Pflanzen, dazu Reis, Gemüse, Obst und alles, was man täglich so braucht.

Nur ein paar Schritte weiter lag das Café Orion – versteckt im schattigen Hinterhof. Eine kleine Oase, weit weg vom Chaos der Straße.

Hier, so stand es in den Reiseunterlagen von Jessy, sollte er seine Kontaktperson für das Ifaty-Camp treffen: einen gewissen Monsieur Subhas Kannanbiran. Als Erstes bestellte sich Riedel einen café au lait, pain, beurre et miel. Ein einfaches, aber gutes französisches Frühstück – ein Relikt aus kolonialer Zeit.
Der Kaffee wurde aus einer kleinen Schüssel geschlürft. Die Philosophie dahinter: Alles, was man in Milchkaffee tunkt, schmeckt besser. Klingt schlüssig, oder?

Franzosen – und damit auch viele Madegassen – frühstücken anders als Riedel es aus seinem heimischen Vilshofen gewohnt war. Keine Brötchen, kein Käse,Wurst oder hausgenmachte Marmelade.
Nun hier, im lauschigen Hinterhofgarten des Cafés, ließ er den Tag gemächlich beginnen. Nach der Tortur der vergangenen Tage genoss er es, der jungen Bedienung hinter dem Tresen zuzuzwinkern und sein Croissant genüsslich in den warmen Kaffee zu tauchen.

„Bonjour, je suppose que tu l’es, M’sieur Hosef Riedel?“
Ein bulliger, elegant gekleideter Inder trat an seinen Tisch, Französisch mit schneidigem Pariser Akzent.
„Je suis Monsieur Kannanbiran. Mais appelle-moi juste Kannan, mon ami.“

  1. 6

„Jenny, das ist ja geil. Wie hast’n das geschafft, diesen alten Zahnarzt-Sack zu überreden, mal eben ’ne halbe Million für den Coral Breeders Fund zu spenden?“

„Ach, die Deutschen! Die kriegen Pickel, wenn sie Steuern zahlen müssen. Der Typ hat ein paar Ländereien vom Vater verkauft. Müsste er fett versteuern. Da spendet er lieber einen Großteil vom Gewinn, bekommt ’nen Steuerfreibetrag – und auch noch ’ne Medaille vom Bürgermeister als Wohltäter.“

Tony lehnte sich zufrieden auf dem Ledersofa im Londoner Büro zurück. Die Zahlen auf dem NGO-Konto stimmten. Und mit Jenny hatte er den perfekten Coup gelandet. Ihre Social-Media-Kampagnen, gepaart mit gefühligen Interviews bei Sendern in ganz Europa, schlugen ein wie eine Bombe.
Die Welt war bereit, tote Korallen zu retten.

„Haben wir noch was vom Rhum-Vanille in der Bar? Mach mir mal einen Drink – und komm dann mal rüber, Baby.“

Jenny lächelte. Sie wusste, was jetzt kam. „Der glaubt doch nicht im Ernst, dass ich das alles wegen seiner dandyhaften Ausstrahlung mache …“
In Wahrheit war sie der Kopf hinter der ganzen Spendenumlenkung – und sie hatte nicht vergessen, ihren Anteil am Kuchen einzuplanen. Clever verpackt, versteht sich. Denn: Für Spenden an NGOs gibt es keine Pflicht zur transparenten Abrechnung.

Kein Mensch verlangt Belege dafür, wofür das Geld tatsächlich verwendet wird.
Weder das Rote Kreuz, Caritas, Greenpeace – noch eine neu gegründete „Coral Breeders LLC“.
Zwar diskutieren manche Regierungen über strengere Auflagen, aber ein echtes Gesetz? Fehlanzeige.

Jenny reichte Tony den Rhum Arrangé und ließ sich neben ihn sinken. Der Boss war happy. Ein "happy camper", wie er es nannte.

„Sag mal, was müssen wir dem Kannan auf das Konto in Mada überweisen? Da sind ja jetzt schon drei Volunteers angekommen – und dieser deutsche Tauchlehrer ist auch da.“

„Dem hast du übrigens kein Gehalt in den Vertrag geschrieben“, bemerkte Jenny trocken.

Tony grinste. „Ach, der wird sich schon melden.“

„Wichtiger ist: Wir müssen klären, dass das Land, auf dem das Camp steht, offiziell auf die Coral Breeders LLC übertragen wird. Danach legen wir eine saftige Pacht fest – die natürlich von der NGO bezahlt werden muss.“

„Ja, Jessy, das war echt ein Glücksgriff mit dem fetten Kannan“, grinste Tony. „Der hat sich ja ne ordentliche Provision vom Landkauf bei der Fischergemeinde gegönnt. Aber die denken, das war ’ne gute Tat. Sind halt ungebildete Eingeborene. Was kann ich dafür?“
Er zuckte gespielt unschuldig mit den Schultern. „Kannan wollte sich übrigens nochmal melden, wegen ’nem Folgegeschäft. Bestimmt was Grenzwertiges, der Schlingel. Müsste mich schon sehr täuschen.“

Dann beugte er sich über Jessy. Es entlockte ihr ein langgezogenes „Ohhh“.



 



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In Madagaskar ist die Gemeinschaft der Karana allgegenwärtig – ein Sammelbegriff für Einwanderer aus Indien und Pakistan. Doch in der malagassischen Sprache bedeutet „Karana“ nicht nur Inder, sondern vor allem: der Andere. Der, der außen steht. Der, der nicht dazugehört.
Die Karana gelten als skrupellos, geschäftstüchtig, wohlhabend. Und bis heute bleibt ihr offizieller Status in der Republik unbestimmt – im Pass steht unter Nationalität nur: "ambiguïté" - Unklar

Die Fahrt im Toyota 4x4 durch die staubigen Slums von Tulear verlief gemächlich. Der Fahrer wich geduldig den Pousse-Pousse aus – Fahrradtaxis, in denen ältere Frauen mit ihren Markteinkäufen auf dem Schoß und Babys im Tragetuch auf dem Rücken transportiert wurden. Hupen half nichts – Respekt war Teil der Straße.
Der Fahrer verstand sie. Er hatte selbst früher als Pousse-Pousse-Junge gearbeitet, bevor er diesen Job ergattern konnte.

Riedel und Kannan unterhielten sich auf Englisch. Der Inder sprach die Sprache fließend – viele seiner Geschäfte liefen über England. Tony, so ließ er durchblicken, sei ein guter Freund. Deshalb unterstütze er auch dessen Korallenprojekt.

Die letzten zwei Kilometer quälte sich der Kat-Kat – wie die Einheimischen den Geländewagen nennen – durch tiefen Sand. Schließlich erklomm der Wagen eine kleine Düne, und der Blick öffnete sich.

Ein türkisgrünes Paradies.
Vor ihnen lag das Meer – glitzernd, unendlich weit. Am Horizont zog sich ein weißer Schaumgürtel: das Außenriff, das die geschützte Lagune von der Straße von Mosambik trennte. Unberührt. Roh. Und wunderschön.

Hier also sollte er tauchen. Hier wollte er abgestorbene Korallen wieder zum Leben erwecken – und den Fischern ihr Fanggebiet zurückgeben.
Riedel war für einen Moment einfach nur still. Er war beeindruckt.

Dann tauchten die ersten Hütten auf – einfache Holzhäuser, in unregelmäßiger Reihe. Dazwischen ein etwas größeres Gebäude, geschützt vom Schatten eines knorrigen Filao-Baumes.

Kannan stieg mühsam aus dem Wagen. Ein Malgache kam aus dem Haupthaus auf sie zu.
„Salama! Manao ahoana ianao?“
Er wandte sich an Riedel, nun in akzentfreiem Französisch:
„Bonjour Monsieur Riidäl, dans le camp des Coräl Breeeedär. Je m’appelle Julien.“
Die beiden Männer schüttelten sich die Hand, fester Griff, klare Augen.

Riedel nahm seinen großen grünen Duffelbag aus dem Wagen und folgte Julien. Seine Unterkunft lag gleich neben dem Haupthaus. Betonierter Boden, dunkel gebeizte Holzwände, solide in Handarbeit gezimmert. Über dem schmalen Bett hing ein Moskitonetz, daneben eine einsame Steckdose.

„Strom haben wir, solange die Solarpaneele genug laden“, erklärte Julien mit entschuldigender Miene. „Aber der Ventilator läuft nicht die ganze Nacht, okay?“

„Und wo ist die Tauchbasis?“, fragte Riedel mit der Gründlichkeit eines deutschen Ausbilders.

Julien murmelte etwas Unverständliches. Irgendein französisches Genuschel. Riedel schaute ihn fragend an. Doch statt einer Antwort zu geben, zuckte Julien nur mit den Schultern – und verließ wortlos die Hütte.



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„Die Korallenäste sind viel zu dünn, Julien. Du weißt doch, dass wir mindestens vier Zentimeter Stammdicke brauchen“, knurrte Kannan und zeigte missmutig auf das bleich zerfaserte Geäst einer abgestorbenen Acropora hemprichii – einer jener Geweihkorallen, die einst wie filigrane Kathedralen unter Wasser standen. Jetzt: nur noch kalkiger Müll, bleich, brüchig, tot.

Julien zuckte mit den Schultern. „Boss, was soll ich sagen? Die meisten Bruchstücke, die an den Strand gespült werden, sind von den Wellen zermahlen. Und tiefer als vier Meter kommen meine Fischer nicht. Nicht ohne Tauchflaschen. Mit den Luftschläuchen reicht’s grad mal bis auf drei Meter. Du weißt das doch.“

Kannan fuhr sich mit der Hand über den kahlen Schädel, die Lippen zu einem dünnen Strich gepresst.
„Tony hat versprochen, den Container mit dem ganzen Tauch-Equipment loszuschicken – schon vor Wochen! Anzüge, Kompressor, Regler, alles...“ Er schnaubte. „Der denkt nur an seinen Profit. Und an seine verrückte Jenny.“

Julien zog sein Handy aus der Hosentasche. „Sie hat mir gestern noch eine WhatsApp geschickt. Der Container liegt angeblich im Hafen von Tamatave, hängt beim Zoll fest.“

„Gib mir sofort die Nummer der Frachtpapiere“, schnappte Kannan, „jetzt darf ich mich auch noch um solchen Kleinkram kümmern…“ Ohne ein weiteres Wort stieg er in den knirschenden Toyota 4x4, schlug die Tür zu, drehte den Schlüssel und verschwand in einer Staubwolke zurück in Richtung Tulear.



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Am Strand rauschte die Dämmerung heran wie ein Versprechen. Riedel stand barfuß im warmen Sand, der sich zwischen den Zehen anfühlte wie nasser Spätzleteig. Vor ihm das Meer – ein flacher Atemzug aus Licht, das auf den Wellen schimmerte. Der Tag war zu Ende, die Welt wurde langsam still.

Die Crew des Camps hatte zusammen gegessen. Julien hatte gegrillten Fisch serviert – butterzart, mit einer pikanten Marinade. Jetzt saßen sie alle noch eine Weile unter dem Himmel, der sich von Orange zu Indigo wandelte, und redeten kaum.

„Weißt du eigentlich, was für ein Scheißladen das hier ist?“, zischte Brian schließlich und brach das Schweigen wie einen morschen Zweig. Er saß ihm schräg gegenüber, schlaksig, sonnenverbrannt, sarkastisch.
„Zwei Wochen sind wir jetzt hier. Internet? Müssen wir selbst zahlen. Tauchausrüstung? Fehlanzeige. Die Tussi aus London erzählt was von Lieferverzögerung, aber es passiert nix. Wie hieß sie noch gleich? Jenny? Jessy?“

Freda und Lizbeth, ebenfalls Biologiestudentinnen aus England, nickten stumm. Sie sahen erschöpft aus, aber auch neugierig – wie Leute, die sich noch nicht ganz entschieden haben, ob sie bleiben oder gehen sollen.

„Ich hab gehört, der Container liegt in Tamatave im Hafen“, sagte Riedel. „Soll alles drin sein, auch Kompressor, BCDs, Flossen… das volle Programm.“

„Dann sollte Fat Kannan mal ein bisschen Druck machen“, murrte Brian und schob sich einen Löffel Reis in den Mund.

„Ach, Brian, gib mir lieber mal die Platte mit dem Fisch. Ich hab Hunger“, antwortete Riedel trocken und wandte sich dem dampfenden Essen zu. Das war jetzt wichtiger. Julien’s Frau hatte neugierig aus der Küche herübergeschaut – ein schüchternes, stilles Gesicht, eingerahmt von einem bunten Tuch.

Riedel ließ den Blick über das Camp schweifen. Einfache Hütten, Palmen, irgendwo bellte ein Hund. Es war nicht das, was ihm in London verkauft worden war. Aber das war in Ordnung. Er wollte sich erst mal einleben. Mora mora – langsam, langsam. Wie in Bayern, dachte er. Morgen würde er einen Spaziergang ins Fischerdorf machen. Es gab dort zwar keinen Cappuccino, kein eiskaltes Bier – aber vielleicht etwas, das wertvoller war: eine Aufgabe

Ein Keuchen in der Dunkelheit. Julien rannte auf ihn zu, wild mit den Armen fuchtelnd, die Silhouette gegen den flammenden Himmel.

Was war jetzt wieder los?



9

"Merde! Merde!“ Kannan brüllte ins Telefon, seine Stimme überschlug sich. „Warum kannst du mir den verdammten Container nicht einfach auf ’nen Truck laden? Ich brauch das Zeug hier! Jetzt!“

Am anderen Ende der Leitung, irgendwo im Hafenbüro von MICTS in Toamasina, hielt Monsieur Ramanavona den Hörer ein gutes Stück vom Ohr entfernt. Dann sprach er langsam, kühl:
„Hör mal zu, Kanna. Du schuldest mir noch was wegen der Kiste, die neulich ohne Kontrolle rausging. Wenn du hier weiter rumschreist, dann passiert gar nichts mehr.“

Kannan atmete durch. Taktikwechsel. „D’accord, mon ami. Ich überweise dir was über OrangeMoney. Und dann mach dir einen schönen Abend in der Bar vom Jupiter. Bist du eigentlich noch mit Vanessa zusammen?“

Ein kehliges Lachen am anderen Ende. „Ah bon, gibt genug andere. Schick mir was rüber – und ich seh morgen, was ich tun kann.“

Das Gespräch endete. In einer Woche, so rechnete Kannan, würde der Truck in Tulear sein. Vielleicht. Wenn nichts dazwischenkam. Er lehnte sich zurück, zufrieden. Ohne seine Freunde in ganz Madagaskar hätte er längst aufgegeben. Aber Beziehungen waren alles – nicht Gesetze, nicht Verträge.

Er ging zu seinem alten Tresor, einem massiven J. Cartwright in dunklem Jagdgrün, schwer wie ein Grabstein. Tony aus London hatte ihn ihm überlassen – als Tauschgeschäft für zwei lupenreine, königsblaue Saphire. Ein fairer Deal, wie Kannan fand.

Ein Päckchen mit ein paar Steinen ließ er regelmäßig nach England schicken. Aber hundert? Oder mehr? Die Schweiz war eigentlich die wahre Endstation. Dort warteten die Uhrenhäuser: Rolex, Vacheron, Patek Philippe. Doch legale Ausfuhrgenehmigungen nach Europa? Reiner Luxus.

Während der Covid-Pandemie hatte die Regierung die Exporte mit sehr hohen Gebühren belastet. Davor schon, 2008 bis 2010, war es wegen dem früherem Presidenten Ravalomanana für zwei Jahre komplett dicht. Nur seine ausgewählten Freunde konnten die Steine ausser Landes bringen. Aktuell? Möglich – aber unbezahlbar. „Wenn du alles korrekt deklarierst, bist du pleite“, pflegte Daniel Grondin zu sagen, der in Antananarivo eine kleine, aber feine Schleiferei betrieb. Grondin, gebürtiger Schweizer, versorgte die Luxusindustrie diskret mit Zifferblattsteinen – exklusiv.
„Es gibt halt zwei Wege“, erklärte er einmal mit einem Zwinkern. „Den offiziellen. Und den, den alle benutzen.“

Falsche Papiere, echte Stempel, passende Beamte. Zoll, Polizei, Immigration – alles koordinierbar. Jeder bekam seinen Anteil. Der Muli holte die Steine am Flughafen ab, wenige Minuten vor dem Boarding. So funktionierte das. Schnell. Effizient. Und mit einem kleinen Extra für jeden, der die Klappe hielt.



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Julien kam keuchend näher, seine langen Arme ruderten wie Windräder im Sturm. „Monsieur Riedel! Vite, vite! Komm sofort mit!“

Riedel stellte den Teller ab, der noch halb voll mit Fisch und süßlichem Maniokbrei war. Seine Beine protestierten, aber Julien ließ keine Zeit für Fragen.
„Was ist los?“
„Ein Unfall. Beim Tauchgang. Der Junge – Solofo – er hat Wasser in der Lunge.“

Sie rannten zum Strand. Im schwindenden Licht sah Riedel die Silhouette von zwei Männern, die etwas Schweres durch das seichte Wasser trugen. Es war der Junge – dünn, kaum sechzehn, mit einem Brustkorb so schmal wie ein Reissack. Wasser tropfte aus seinem offenen Mund.

„Schnell, leg ihn flach, Kopf zur Seite!“, rief Riedel und kniete sich hin. Sein Notfalltraining war Jahre her, aber die Reflexe funktionierten. Ein paar der Volunteers kamen herbeigelaufen, Brian brachte einen alten Erste-Hilfe-Koffer, Freda hielt den Kopf des Jungen.

Riedel drückte, pumpte, horchte. Noch einmal. Dann – ein Röcheln. Der Körper krampfte, hustete. Wasser spritzte aus dem Mund, salzig, schaumig. Julien fluchte leise, bekreuzigte sich.

Ein paar Minuten später lag Solofo eingewickelt in ein Handtuch unter dem alten Filao-Baum, das Gesicht bleich, aber atmend. Julien saß daneben, seine Hände zitterten leicht.
„Die tauchen mit diesen Plastikschläuchen. Drei, vier Meter. Kein Regler, kein Druckventil. Nur Schlauch und Holzrahmen. Alles selbstgebaut.“
„Das ist Wahnsinn“, sagte Riedel leise. „Und lebensgefährlich.“

Julien nickte. „Aber billig.“

Riedel schwieg. Er wusste, dass solche Tauchmethoden in vielen Küstendörfern gang und gäbe waren. Luft aus einem Kompressor, über Gartenschläuche zu einem improvisierten Mundstück geleitet – kein Notfallsystem, keine Druckanzeige, kein Training. Wenn etwas schiefläuft, stirbt man leise, unter Wasser, oft unbemerkt.

Als sie später wieder im Camp saßen, kam Lizbeth zu ihm. „Was war das vorhin? War das ein Fischer?“
„Ein Kind. Kaum sechzehn. Wahrscheinlich zum ersten Mal tiefer als drei Meter getaucht.“
„Wie kannst du hier überhaupt arbeiten?“, fragte sie. Nicht anklagend, eher verwirrt. „Es ist alles so... unklar. Halb legal, halb improvisiert.“
Riedel schaute ins Dunkel, wo der Ozean gegen das Riff schlug.
„Vielleicht genau deswegen. Wenn hier jemand alles richtig machen würde, würde niemand mehr mitspielen.“



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Am nächsten Morgen war die Sonne schon weit oben, als Riedel sich seine Sandalen an die Füße schnallte und ins Dorf aufbrach. Er hatte geschlafen wie ein Toter – erschöpft vom Tag, vom Schock, vom Gedanken, dass dieser Ort nicht nur ein Forschungscamp war, sondern ein Pulverfass aus Interessen, Lügen und verzweifelten Träumen.

Das Dorf bestand aus vielleicht dreißig Hütten, teils aus Palmblättern, teils aus Wellblech. Kinder spielten mit alten Reifen, barfuß im Sand. Eine Frau mit leuchtendem Kopftuch verkaufte frittierten Fisch aus einem rostigen Topf. Alte Männer saßen unter einem schiefen Dach aus Segeltuch, kauten Tabak und starrten ihn an, als wäre er der Präsident höchstpersönlich.

Er grüßte, versuchte ein Lächeln. Einige nickten, andere wandten sich ab.

Riedel ging weiter, die Kamera um den Hals, machte ein paar Fotos von einem knorrigen Baum, dessen Wurzeln aus dem Sand ragten wie uralte Finger. In der Ferne sah er ein Einbaum-Boot – ein Lakana, wie Julien sie nannte – das auf das Riff zusteuerte. Zwei Männer balancierten darin, einer mit einem Speer, der andere mit einem Kescher, angespannt die Körper, bereit zum jagen.

Zurück im Camp, saß Kannan mit einem Glas Rum auf der Veranda. „Wie war dein erster Dorfspaziergang?“
„Erhellend. Aber auch bedrückend.“
„Willkommen in Madagaskar“, lachte Kannan. „Hier bist du entweder Retter oder Ausbeuter. Dazwischen gibt’s nichts.“
„Und du?“, fragte Riedel.
Kannan nippte am Glas. „Ich bin nur ein Geschäftsmann."



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Das Camp vibrierte in der Mittagshitze. Die Luft flirrte, die Wäsche flatterte leblos an der Leine, als hätte auch sie sich erschöpft hingegeben. Im Schatten des Küchenunterstands diskutierten Freda, Lizbeth und Brian.

„Wir machen hier nix als warten“, sagte Brian. „Warten auf Equipment. Warten auf Anweisungen. Warten auf einen Sinn.“

„Die Schulungen mit den Fischern sind doch ein Anfang“, warf Freda ein.
„Schulungen, ja. Aber mit wem denn? Die reden kaum Französisch, und Malagasy verstehen wir nicht. Ich hab gestern drei Jungs gefragt, ob sie vom Korallenprojekt wissen. Die dachten, wir würden ein Hotel bauen.“

Lizbeth, sonst ruhig, runzelte die Stirn. „Ich hatte letzte Nacht einen Traum. Wir graben mit unseren Händen ein Loch im Sand, ganz tief. Am Ende liegt da eine Koralle – tot. Und darüber eine Uhr. Eine teure. Schweizer Design.“

Brian grinste. „Willkommen im kollektiven Unterbewusstsein der westlichen Entwicklungsarbeit.“

Riedel trat in diesem Moment an den Tisch. „Leute, ich schlag vor, wir haben morgen ein Gespräch mit dem Chef de Fokontany. Julien meint, er kann das organisieren. Der ist so was wie der Dorfälteste – oder Bürgermeister. Vielleicht erfahren wir dann, was hier wirklich los ist.“

„Und was ist mit dem Korallenprojekt?“, fragte Freda.
„Noch keine Fortschritte. Ohne Kompressor keine Tauchgänge. Ohne Tauchgänge keine Daten. Und der Container...“ – er hob nur die Augenbrauen. Alle wussten, was das bedeutete.


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Am nächsten Morgen saßen sie auf Bastmatten im Haus des Chef de Fokontany. Die Wände bestanden aus geflochtenem Palmblatt, der Boden aus gestampfter Erde. Ein Hahn stolperte quer durchs Zimmer. Julien übersetzte. Neben dem Dorfältesten saß ein Mann mit wettergegerbtem Gesicht und Händen, so breit wie Paddel. Er wurde Tao genannt – und war einer der angesehensten Fischer des Dorfes.

„Was wollt ihr hier?“ fragte Tao, ohne Umschweife.

Julien übersetzte Riedels Erklärung – von der Idee, abgestorbene Korallen wieder aufzubauen, um den Fischbestand zu verbessern, um das Ökosystem zu regenerieren, für die Zukunft.

Tao schwieg lange. Dann sagte er langsam:
„Die Korallen sterben nicht, weil ihr sie nicht rettet. Sie sterben, weil der Fluss das Wasser vergiftet. Weil Boote aus dem Norden mit ihren Netzen alles wegziehen. Und weil keiner mehr auf die Ahnen hört.“

Der Dorfälteste, ein schmaler, schweigsamer Mann mit weißen Haaren, nickte.

„Ihr kommt, redet von Hoffnung und geht wieder. Andere kamen vor euch. Auch mit Karten, Kameras, Versprechen. Wir haben keinen Strom. Kein sauberes Wasser. Aber eine tote Koralle ist plötzlich wichtig?“

Lizbeth versuchte zu lächeln. „Wir meinen es ehrlich.“

„Ja“, sagte Tao. „Ehrlich wie der Mann, der uns einst Saatgut schenkte, das dann unsere Felder unfruchtbar machte und Cyanid, das den Brutplatz der Fische zerstörte."

Stille. Julien senkte den Blick. Riedel atmete tief durch.

„Wir können nur anbieten, mit euch zu arbeiten und mit eurer Hilfe die Natur wieder funktionell zu machen.“

Tao schaute ihn an. Lange. Dann stand er auf, ging zur Tür und sagte ohne sich umzudrehen:
„Dann fangt damit an, zuzuhören.“


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Später saß Riedel am Strand. Das Licht war weich, die Lagune lag da wie ein gläserner Spiegel. Julien setzte sich neben ihn.
„Tao ist kein einfacher Mann. Aber ehrlich.“
„Ich habe ihm zugehört. Und mich gefragt, ob wir hier etwas erreichen werden. Die Analysen der Universität sind reine Theorie. Noch nie hat das jemand in der Praxis realsiert. Was will der Tony wirklich hier“
Julien grinste schief. „Ihr kommt hierher und wisst es nicht? Wir kennen die Natur, unser Riff, das uns Fische seit Generationen geliefert hat. Mit unseren Pirogen können wir nicht aufs offenen Meer segeln um dort zu fischen. Das machen Fangschiffe aus Südafrika, gechartet von grossen europäischen Konzernen. Ein Millionengeschäft.“

"Tao hat gesagt wir sollen zuhören. Dann sag mir was passieren soll?"

"Benutzt uns nicht als Alibi für eure Spendenaktionen in Europa, von denen wir am Ende nichts bekommen."

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Sie hieß Vahiny – was auf Malagasy einfach „die Fremde“ bedeutet. Ein Name, den man einem Mädchen gibt, das nicht ganz dazugehört. Ihre Mutter stammte aus einem anderen Dorf, der Vater war nie zurückgekommen. Vahiny war groß gewachsen, mit schmalem Gesicht und einem Blick, der mehr sah, als sie sagte.

Riedel begegnete ihr zum ersten Mal am Rand der Lagune. Sie watete durchs knietiefe Wasser, eine Harpune über der Schulter, einen kleinen Fisch in der Hand, der noch zappelte.

„Vous êtes le Monsieur de la mer?“ fragte sie spöttisch auf Französisch, ohne ihn anzusehen.

„Je... suis ici pour aider les coraux à repousser “, antwortete er etwas verlegen.

Sie lachte leise. „Alors...dann werden sich die Korallen aber mächtig freuen. Und wer noch? “

Er wusste nicht, ob es Spott war oder einfach eine Feststellung.




16

In den nächsten Tagen sah er sie öfter. Sie arbeitete mit den Frauen beim Trocknen der Fischernetze, reparierte Risse mit feinen, flinken Fingern, die nie zögerten. Manchmal hörte er sie singen, eine alte, langsame Weise ohne Worte.

Eines Abends, als Julien mit seiner Familie zu Besuch bei Verwandten war und die Volontäre sich mit Bier am Lagerfeuer beschäftigt hatten, saß Riedel alleine am Strand. Die Nacht war warm, der Wind still. Vahiny trat aus der Dunkelheit, als sei sie schon lange dort gewesen.

„Tu dors pas, Monsieur?“

„Ich kann nicht schlafen.“

„Zu viel Weißbrot, zu wenig Salzluft“, murmelte sie, setzte sich neben ihn und sah hinaus aufs Meer.

„Warum lachst du über unser Projekt?“, fragte er.

„Ich lache nicht. Ich beobachte. Ihr schaut auf Korallen wie auf Zahlen in einem Buch. Wir schauen, wie die See sich bewegt. Ihr wollt sie aufhalten. Wir wollen mit ihr gehen.“

Dann schwieg sie, stand auf und verschwand, bevor er etwas sagen konnte. In seinem Bauch blieb ein seltsames Ziehen zurück.


17

Nachts träumte er von ihr. Am Morgen wurde er wach mit Sand in den Haaren und dem Gefühl, dass etwas begonnen hatte. Etwas, das nicht in Daten zu fassen war.

Am nächsten Abend wartete sie schon.

„Wenn du willst, zeige ich dir etwas“, sagte sie, und ihre Stimme war weich.

Sie führte ihn hinaus in die Mangroven, durch schmale Kanäle, bis zu einer verborgenen Bucht. Dort lagen zwei alte, traditionelle Segelboote, Pirogen , halb verfallen – aber seetüchtig.

Die Piroge ist ein einfacher, aber robust gebauter Einbaum. Es besteht aus einem ausgehöhlten Baumstamm, oft aus Hartholz, um den Herausforderungen des Meeres standzuhalten. Das Boot ist schmal und lang, was ihm Stabilität und Geschwindigkeit verleiht. An den Seiten sind Ausleger befestigt, die das Boot stabilisieren und verhindern, dass es bei Wellengang umkippt. Diese Ausleger bestehen meist aus Bambus, und es hatte einen Mast um ein Dreiecksegel hochzuziehen.

„Mein Onkel fuhr früher mit ihnen nach Mosambik. Jetzt nimmt keiner mehr den Weg übers Meer. Alle hoffen auf Straßen und Container.“

Sie sah ihn an, ernst.

„Aber vielleicht musst du eines Tages weg. Schnell. Dann helfe ich dir. Wenn du mich vorher nicht belügst.“

Er schluckte. Wollte ihr sagen, dass er gar nichts zu verbergen habe. Aber tat es nicht. Vielleicht, weil es nicht stimmte.



18

Am dritten Morgen nach dem Gespräch mit Vahiny stand Riedel früh auf. Die anderen schliefen noch. Er wollte allein an die Lagune gehen. Doch das Meer hatte sich über Nacht zurückgezogen. Zwischen den flachen Wasserflächen lag der Grund offen da: Steine, Muscheln – und etwas anderes.

Etwas Großes, Umhülltes, das mit einem Plastikplanenstück abgedeckt war.

Neugierig watete er näher. Es war eine rostige Eisenkiste, wie man sie in alten Militärdepots findet. Das Vorhängeschloss war alt, aber offen. Innen: große Tauchflaschen, Flossen, einige Neoprenanzüge – mit britischen Etiketten.

„Wieso liegt das Zeug hier draußen?“ murmelte er.

„Weil man es verstecken wollte“, sagte eine Stimme hinter ihm. Es war Vahiny.

Er drehte sich um. „Was meinst du?“

Sie hob die Schultern. „Vor drei Nächten kam ein Boot. Kein Licht. Kein Motor. Nur Paddel. Männer haben es ausgeladen. Kisten. Und nicht nur Tauchsachen. Andere Dinge auch.“

„Welche?“

„Schau nicht so laut, Monsieur. Frag lieber, warum dein Container nie ankam. Und warum Julien manchmal nachts mit dem Motorboot rausfährt.“

Er sah sie an. Ihre Augen blieben kühl. Dann ging sie wortlos davon.


19

Beim Abendessen legte sich eine seltsame Spannung über den Tisch. Brian war stiller als sonst. Lizbeth starrte in ihr Handy. Nur Freda versuchte Smalltalk.

„Hat einer was gehört vom Container?“ fragte Riedel beiläufig.

Julien war gerade hereingekommen. Er blieb kurz stehen, dann antwortete er schnell: „Bürokratie. Immer Bürokratie in Tamatave. Aber er kommt bald. Ganz bestimmt.“

„Komisch“, meinte Riedel, „ich hab gesehen, dass da Tauchsachen im Schuppen hinter dem Wassertank liegen. Und auch Geräte, die wie neu aussehen.“

Julien blinzelte, lachte dann kurz. „Altes Zeug von früher. Nicht komplett. Kann man nicht nutzen.“

Aber sein Lächeln kam nicht bei den Augen an.


20

Später am Abend saß Riedel mit Vahiny in der Nähe der Mangroven. Sie hatte geräucherten Fisch mitgebracht. Sie aßen schweigend.

„Du bist kein Tourist“, sagte sie dann. „Du willst helfen. Vielleicht. Aber du willst auch dazugehören.“

„Ist das falsch?“

„Nicht falsch. Aber gefährlich.“

„Warum hilfst du mir?“

Sie zuckte mit den Schultern. „Vielleicht, weil ich gesehen habe, was mit den anderen passiert ist, die zu viel gefragt haben.“

„Was meinst du mit 'anderen'?“

Sie stand auf. „Der Mann, der vor dir im Camp war, hat auch viele Fragen gestellt. Jetzt ist er weg. Ganz weg. Verschwunden. Julien sagt, er ist heimgeflogen. Aber niemand hat ihn je wieder gesehen.“


21

Riedel wusste, dass er etwas tun musste. Er begann, heimlich zu dokumentieren: Fotos der gelagerten Geräte, Kopien von Verträgen, die er zufällig in Kannan’s Büro gesehen hatte. Nachts, wenn die anderen schliefen, schrieb er Memos auf seinen Laptop, verschlüsselt.

Vahiny beobachtete das mit einem Nicken. Doch sie sprach nicht darüber.

Eines Morgens, gegen vier Uhr, klopfte sie leise an seine Hütte.

„Steh auf. Schnell. Julien hat mitbekommen, dass du im Schuppen warst.“

„Und?“

„Er redet mit Kannan. Und wenn Kannan redet, wird’s gefährlich. Du musst weg.“

„Wohin?“

„Mit mir. In der Piroge. Heute Nacht. Wir segeln vor dem Wind, das Meer ist ruhig. In 4 Tagen können wir Mayotte erreichen. Dort bist du sicher."



22

Es war früher Nachmittag, die Sonne stand senkrecht über dem Camp, als Riedel beschloss, Jenny in London anzurufen. Sein Handy hatte nur sporadisch Empfang, aber am Mangrovenufer fand er eine Stelle mit gerade genug Signal.

Nach dem dritten Klingeln hob sie ab.

„Josef! Long time no hear. Wie läuft’s im Paradies?“ Ihre Stimme klang leicht, fast überdreht.

„Jenny. Wir müssen reden.“

„Na klar. Was gibt’s denn?“

„Der Container ist immer noch nicht hier. Das Tauchequipment, das du mir zugesagt hast – nichts angekommen. Und auf meinem Konto in Deutschland ist auch kein Gehalt eingegangen. Ich habe mit dir über einen Vertrag gesprochen. Ich dachte, das sei alles geklärt.“

Am anderen Ende kurzes Schweigen. Dann hörte er sie seufzen.

„Ach Josef, du bist ja so ein Idealist. Ich dachte, das gefällt dir da unten. Sonne, Palmen, Abenteuer. Du hast gesagt, du willst was Gutes tun.“

„Willst du mich verarschen, Jenny? Ich bin nicht runter nach Madagaskar, um als Volontär ausgebeutet zu werden. Ich hab hier mit Korallenforschung gerechnet, nicht mit Improvisationstheater ohne Ausrüstung. Und das angeblich professionelle NGO-Camp ist eine Bretterbude mit Solarpanel!“

„Beruhig dich. Die Ausrüstung ist in Tamatave. Bürokratie. Zollpapiere. Und das mit dem Gehalt – da gab’s Verzögerungen. Unser Buchhalter hat gewechselt. Aber alles ist unterwegs, versprochen.“

„Ich habe keine Geduld mehr für deine Versprechen, Jenny. Ich will Fakten. Und zwar jetzt.“

„Josef, komm schon“, sagte sie plötzlich kühler. „Du bist einer von fünf Leuten, die überhaupt eine Vergütung wollten. Die anderen sind alle Volunteers. Du hast dich gut verkauft in den Gesprächen, klar – aber du bist ersetzbar. Verstehst du? Er-setz-bar.“

Riedel schluckte. „Willst du mir drohen?“

„Nein. Ich will dir nur klarmachen: Das Projekt lebt von Idealismus. Nicht von deutschen Gehaltsabrechnungen.“

„Idealismus? Oder Spenden, die irgendwo in Briefkastenfirmen verschwinden?“, schoss er zurück.

Wieder war es kurz still. Dann sagte Jenny leise, aber scharf:
„Pass auf, Josef. In Mada läuft nicht alles wie in Bayern. Manchmal ist es besser, sich nicht überall einzumischen. Genieß die Sonne. Tauch ein bisschen. Und bleib locker. Wir reden nochmal, wenn du zurück bist – oder auch nicht.“

Klick. Sie hatte aufgelegt.






23

Riedel starrte aufs Display. Kein Netz. Kein Rückruf möglich. Er fühlte, wie ihm die Hitze plötzlich aufs Herz drückte. Die Sonne, das Meer, die Palmen – alles schien auf einmal nur noch Kulisse. Eine schöne Oberfläche über einem fauligen Sumpf.

Er hörte Schritte hinter sich. Vahiny.

„Sie wissen jetzt, dass du misstrauisch wirst“, sagte sie leise.
„Du hast keine Zeit mehr.“

„Dann müssen wir los, bevor sie merken, dass ich weg bin.“



24

Die Nacht war still, nur das rhythmische Rauschen der Brandung und das Zirpen der Zikaden begleiteten sie. Vahiny hatte Riedel zu ihrer kleinen Hütte geführt, etwas abseits des Camps, versteckt hinter einem halb verfallenen Kanthölzerzaun. Ein Petroleumlicht flackerte.

„Es ist nicht sicher, dass du morgen noch hier bist“, hatte sie gesagt, während sie seine Hand nahm.

Sie sprachen kaum. Worte waren plötzlich überflüssig. Ihre Bewegungen waren vorsichtig, fast zärtlich – und doch war in allem eine Dringlichkeit, als wüssten beide, dass sie gestohlen war, diese Nacht.

Als sie nebeneinander lagen, den Sand unter einer dünnen Bastmatte spürten, flüsterte sie:
„Ich hab was gehört. Kannan hat Spitzel im Dorf. Sie wissen, dass du Jenny angerufen hast.“

Riedel zog sie enger an sich. „Was passiert, wenn sie merken, dass ich hinter das Spiel schaue?“

„Dann bist du das Problem. Und Probleme... verschwinden hier manchmal einfach.“




25

Der Morgen war schwül und grau, die Sonne lag schwer hinter einer Wolkenschicht. Riedel hatte kaum geschlafen. Als er zum Haupthaus des Camps lief, stand Kannan schon da – in makelloser Leinenhose und weissem Hemd, eine Zigarette in der Hand, Sonnenbrille auf der Stirn. Zwei Männer in dunklen Shirts standen etwas abseits.

„Bonjour, Monsieur Riedel.“

Der Ton war kühl. Kannan verzog keine Miene.

„Ich höre, du telefonierst mit London. Hast du Heimweh? Oder gibst du vielleicht Berichte ab?“

Riedel hielt seinem Blick stand. „Ich habe nach dem Container gefragt. Und nach meinem Gehalt. Was ist daran so ungewöhnlich?“

Kannan trat einen Schritt näher. „Ungewöhnlich? In deinem Land vielleicht nicht. Aber hier unten… stellt man solche Fragen nicht. Nicht, wenn man sich integrieren will. Oder überleben.“

Riedel antwortete ruhig: „Ich dachte, ich bin hier, um Korallen zu retten. Nicht, um Teil eines Zirkels zu werden.“

Kannan lachte trocken. „Korallen? Ach Josef… Du bist hier, weil du nützlich warst. Sag mir: Willst du das weiter sein – oder lieber ein Risiko?“

Dann wandte er sich ab, warf die Zigarette in den Sand und sagte über die Schulter:
„Ich hoffe, du genießt deinen letzten Tag am Strand.“


26

Riedel spürte, wie der Druck sich zuspitzte. Vahiny wartete bereits unten bei den Booten. Sie hatte die Piroge ihres Cousins organisiert – ein alter Kahn, aber seetüchtig. Der Wind kam heute aus Südost. Gute Bedingungen.

„Heute Nacht“, sagte sie. „Wir müssen los, bevor sie dich holen.“

27

Der Wind hatte am späten Nachmittag aufgefrischt. Vahiny drängte zur Eile – keine Zeit, Essen oder Vorräte zu holen. Nur ein zerbeulter Kanister mit etwas Trinkwasser, den sie im letzten Moment aus einer Hütte holte. Zwei kleine Rucksäcke, ein Funkgerät, das vermutlich nie funktionieren würde, und eine alte Seekarte in Plastikfolie.

„Wir müssen jetzt los. Es wird nicht besser heute Nacht – aber morgen ist es vielleicht zu spät.“

Die kleine Dau schabte sich durch den flachen Lagunenboden, während Riedel und Vahiny mit langen Bambusstäben das Boot vom Ufer stießen. Der Wind zerrte an dem alten, geflickten Lateinersegel, und bald hatten sie das Riff hinter sich gelassen.

Draußen auf offener See brach die Dunkelheit schnell herein. Die Gischt war kalt. Wasser schlug über die Bordwand, sammelt sich in einer mulmigen Lache am Boden.

„Wir treiben ab“, rief Riedel gegen den Wind. „Der Bug ist nicht zu halten!“
„Wenn wir Richtung Nordwest kommen, gibt’s da vielleicht eine kleine Insel“, schrie Vahiny zurück. „Aber ohne Motor ist das Glückssache.“


28

Gegen Mitternacht war der Sturm abgeflaut, der Himmel riss auf. Sterne wie nadelscharfe Stiche. Riedel schöpfte mit einer alten Plastikschale Meerwasser aus dem Boot, während Vahiny, ihre langen schwarzen Haare vom Wind zerzaust, das Segel herunterließ.

Am Morgen war das Meer glatt wie Öl – eine bleierne Flaute. Kein Wind, keine Bewegung, nur sengende Sonne. Der Kanister war halb leer. Riedel trank nichts. „Wenn wir noch zwei Tage hier treiben...“
Vahiny nickte. Ihre Lippen waren rissig. Der Schatten des Segels, das sie notdürftig über sich gespannt hatten, half kaum.

Gegen Nachmittag des zweiten Tages tauchte am Horizont ein weißer Punkt auf. Erst hielt Riedel ihn für eine Halluzination. Dann erkannte er das Brüllen von Motoren. Eine Yacht – modern, luxuriös, mit Flybridge und Antennen.

„Touristen...“, hauchte Vahiny.

Er riss sein Hemd vom Körper und begann zu winken.


29

Ein Schlauchboot näherte sich. Zwei Männer in Poloshirts, mit Sonnenbrillen. Amerikaner, offenbar.

„Jesus. You guys need help?“
„Please – water. No authorities!“ keuchte Riedel.

Sie verstanden nicht, aber der Anblick sprach für sich. Innerhalb einer Stunde war die Piroge vertäut und sie an Bord der Yacht gebracht worden.

In der klimatisierten Kabine nahm ein älteres Ehepaar Riedel unter die Fittiche. „You poor souls. Where did you come from?“
„Fishing village near Tulear. Bad winds.“
„You’re German?“
„Yes. I am diver and did work for a NGO. Long story... Where you heading too?"

"We'll arrive on Nosy Be tomorrow."

Riedel's eyes widened. "Can you please drop me on Mayotte. It is just a few hours more with your yacht. Please. I’ll explain all when we reach there “

Er wusste: Nur dort, auf französischem Boden, konnte er sicher sein – außerhalb von Kannans Einflussbereich.


30

In der Nacht stand Riedel am Heck der Yacht, die Wellen glitten schwarz unter dem Rumpf hindurch. Neben ihm schlief Vahiny, eingewickelt in eine Decke.

Er war entkommen. Sie waren auf dem weg nach Mayotte.

Aber was jetzt? Zurück nach Deutschland? Alles aufdecken?
Oder doch lieber nach London mit den Unterlagen, die er hatte kopieren können und wo die NGO registriert war?

Er wusste eins: Er war noch nicht fertig. Nicht mit Kannan. Nicht mit Tony. Und nicht mit dieser absurden Geschichte, die als Umweltprojekt begann und mit Edelsteinschmuggel, Geldwäsche und Täuschung endete.

Er griff zum Notizbuch, das in seiner Tasche steckte, öffnete es und schrieb in großen Lettern:

DIE WAHRHEIT ÜBER DIE NGO "CORAL BREEDERS“

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